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La Sirenia Offline





Beiträge: 76

26.09.2011 21:27
Ayahuasca – traditionelle Medizin der Amazonas Indianer antworten

Weltweit beobachten wir immer mehr die uralten, ureigenen Heilweisen der noch lebenden Naturvölker. Im Amazonasgebiet sind noch einige dieser Traditionen lebendig, die uns auf den ersten Blick fremd und exotisch erscheinen mögen, doch für die Heilung sowohl seelischer als auch körperlicher Erkrankungen erfolgreich eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem die riesige Heilpflanzenapotheke des Dschungels, der Ikaro-Gesang der Curanderos und die Ayahuasca-Zeremonie.

Curanderos oder Paleros werden im Amazonastiefland Perus Heiler oder Schamanen genannt, die in ihrer indigenen Heiltradition, dank ihrer geistig spirituellen Kraft, Menschen durch unterschiedlichste Lebenskrisen zur Selbstheilung begleiten. Die Ayahuasca Zeremonie mit den begleitenden Ikaro Gesängen ist ein spezieller Herzöffner. Die Gesänge und die Einnahme der Heilpflanze tragen dazu bei, die Natur - zuerst einmal die jedem Menschen eigene - mit allen Sinnen wahrzunehmen und zu beginnen, über diese Ebene mit dem Herzen hinaus zu sehen, denn Heilung beginnt mit der spirituellen Erwärmung des Herzens. Die Auswirkungen der Heilpflanzenzeremonie und der Gesänge auf die Seele sind tiefgreifend. Sie aktivieren in wirksamer Weise den lebendigen Kontakt mit der lichtvollen Seite des eigenen inneren Heilers.

Der Curandero

Einer der erfahrenen Ayahuasceros arbeitet professionell als Heiler an einem Seitenarm des Amazonas. Er leitet seit über 20 Jahren Ayahuasca-Mesas. Um diese und andere Pflanzengeister kennen zu lernen, hat er etwa zwei Jahre eine rigide Diät im Dschungel absolviert. Das bedeutet, monatelang mitten im Dschungel in einer einfachen Palmhütte allein mit sich und den Geistern zu verbringen und, außer zwei Kochbananen und zwei speziellen, sehr, sehr kleinen Fischen täglich, nichts zu sich zu nehmen. Dabei öffnete sich der Geist dem der Heilpflanzen, die sich ihm dann direkt mitteilen. Er nahm täglich etwas von ihnen zu sich, um die Pflanzen mit ihrem innewohnenden Geist besser kennenzulernen. Manchmal schenkt die Pflanze dem Schamanen dann ein Ikaro. Das ist ein Zaubergesang, der bestimmte Krankheiten (Infektionen, Schlangenbisse oder Seelenleid) bereits durch ihren Klang heilen kann.

Die Zeremonie

Die Geräusche des Dschungels sind so laut, dass sie zunächst alles übertönen. Grillen, Frösche, Affen, Nachtvögel und Fledermäuse begleiten das Treiben der Menschen, die sich gemeinsam in die Ritualhütte begeben. Es ist neun Uhr abends, südamerikanischer Zeit, Zeit die „Mesa“ zu beginnen.
Alle neun Teilnehmer nehmen auf einfachen Stühlen im Halbkreis Platz. Sie haben einen kleinen Plastikeimer mitgebracht. Niemand spricht ein Wort. Der Curandero betritt die Hütte, leise und ohne Aufsehen beginnt er zu pfeifen, pfeift eine Melodie in eine Flasche voll Ayahuasca, dem mächtigen magischen Trank und besänftigt den Pflanzengeist, "redet" mit ihm auf Cetchua. Dann steckt er sich eine Mapacho-Zigarre an und bläst den streng riechenden Rauch in die Flasche. „Der Tabakgeist beruhigt den mächtigen Geist der Liane“, sagt er.

Als das heilige Getränk so vorbereitet ist, beginnt aus einer kleinen Schale jedem Anwesenden etwas einzuschenken. Es schmeckt scheußlich! Die meisten müssen sich überwinden, die zähflüssige, schwarzgrüne und übelriechende Flüssigkeit herunterzuwürgen. Dann kehrt Ruhe ein. Der Schamane begibt sich auf seinen Stuhl und beginnt leise die Chacapa (ein fächerartiges Instrument aus gebundenen Palmblättern) zu schlagen. Zu diesem Rhythmus singt er, erst leise, dann immer lauter, im Einklang mit den Geräuschen des Dschungels wohlklingende Ikaros.

Reinigung und Visionen

Nach einer Weile beginnen die Ersten, sich in ihre Eimer zu übergeben. Dann rennt jemand zur „Reinigung“ ins Banjo, zum Plumpsklo. Diese Art Säuberung ist eine übliche und erwünschte Nebenwirkung des mächtigen, psychoaktiven Trankes. Alte Lasten werden im wahrsten Sinne des Wortes ausgeworfen, der Körper gereinigt. So geläutert, kann der Geist unglaubliche, neue Inspirationen erhalten.
Nach der Reinigung beginnen bei fast allen die ersten Visionen. Jemand fängt an, auf allen Vieren zu kriechen, schnuppert herum und schnurrt wie eine Katze. Eine Frau, die wegen einer schweren Traumatisierung kam und seit vielen Jahren nicht weinen konnte, schluchzt herzzerreißend. Nun kommt alles wie ein Wasserfall aus ihr heraus. Ein anderer Mann lächelt selig und summt leise die Ikaros mit, die das gesamte Ritual begleiten.

Durch die Ikaros hält der Schamane während des Rituals den Schutz für sich und alle Anwesenden im Umkreis von ca. 100 Metern aufrecht. Er leitet den Geist der Pflanze zu denen, die sie benötigen. Der Curandero geht zu der Frau. Er bläst ihr den Tabak auf den Scheitel, auf das Herz und in den Nacken. Sie beruhigt sich etwas, schluchzt jetzt leise. Dann geht er zu einem Mann, der wegen seiner Depression gekommen ist und schlägt mit der Chacapa auf das Herz des Mannes, singt einen speziellen Ikaro und bläst Tabak auf ihn.
Nach und nach geht er zu allen Anwesenden, bläst sie mit Tabakrauch ab und singt. Nach etwa drei Stunden beendet er das Ritual. Einige Leute sind noch etwas zittrig und werden von zwei Helferinnen zum Bett begleitet, andere legen sich in die Hängematte ins Freie, um zu sinnieren und ihren Eindrücken nachzufühlen. So manchem ist nach diesem Ritual schon die Muse der Dicht- oder Malkunst erschienen.

Geschenkte Energie und Neuanfang

Am nächsten Morgen sind alle voller Energie und munter, doch der Curandero empfiehlt, sich nach dem Frühstück in die Stille zu begeben, um die heilende Wirkung der Pflanze zu unterstützen. Einige gehen zum Fluss, um gemeinsam schweigend in einem Einbaum durch den Dschungel zu fahren und dessen unbändige Lebenskraft noch einmal hautnah zu erleben. Sie wollen der Vision und ihrer Wirkung tief innen nachspüren. Dieses Erlebnis stellt für viele eine weitreichende und das Leben verändernde Erfahrung dar.

(Diesen Artikel schrieb ich für eine Zeitschrift in diesem Jahr)

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Lass uns teilen die stille Freude, die ein Baum schenkt,wenn wir unter seinen Blättern lauschen

Lass uns teilen die leisen Töne, die ein Fluss schenkt, wenn wir unsere Haut mit ihm benetzen

Lass uns teilen die Lieder des Mooses und des Farns, wenn wir mit ihrem Duft unsere Seele streicheln

Lass uns teilen Flügelschlag und Vogelsang, wenn wir am Abend glücklich heimkehren

Lass uns tanzen mit den Kranichen des Nordens, wenn sie ihre Flügel ausbreiten um die Sonne zu umarmen. @La Sirenia

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